Startseite CSR – versteckte Entzündungsherde im Kiefer erkennen und behandeln
CSR – versteckte Entzündungsherde im Kiefer erkennen und behandeln
Liebe Patientinnen und Patienten
In unserem Newsletter vom 23. Januar 2026 haben wir bereits darauf hingewiesen, dass chronische Entzündungsprozesse im Kieferbereich erhebliche Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit haben können. In diesem Zusammenhang haben wir den Begriff der sogenannten «Cavitationen» verwendet.
Aufgrund wissenschaftlicher Weiterentwicklungen wird für diese Veränderungen im Kieferknochen heute der präzisere Begriff «Covered Socket Residuum» (CSR) verwendet.
Ein CSR beschreibt ein gestörtes Ausheilen im Knochenbereich, welches stille Entzündungsprozesse begünstigt und das Immunsystem dauerhaft belastet. In diesem Beitrag möchten wir daran anknüpfen und erläutern, was genau darunter zu verstehen ist, wie sie entstehen und warum ihre moderne Diagnostik und Behandlung ein zentraler Bestandteil der biologisch-integrativen Zahnmedizin ist.
CSR – was im Kiefer wirklich passiert
CSR – was im Kiefer wirklich passiert
Covered Socket Residua entstehen, wenn der Kieferknochen nach einer Zahnextraktion oder einem früheren chirurgischen Eingriff nicht vollständig ausheilt. Auch wenn sich aussen eine feste Knochenwand bildet, können im Inneren schlecht durchblutete, nicht verknöcherte oder sogar fettig degenerierte Hohlräume bestehen bleiben. Diese Areale sind Ausdruck eines Heilungsdefizits, das der Körper nicht selbst beheben kann.
Solche Veränderungen können grundsätzlich nach jeder Zahnextraktion auftreten. Häufig sind sie jedoch stärker ausgeprägt, wenn zuvor ein wurzelkanalbehandelter, abgestorbener oder mit Amalgam gefüllter Zahn entfernt wurde.
Bleibt ein wurzeltoter oder amalgamgefüllter Zahn über Monate oder gar Jahre im Kiefer bestehen, reagiert der Körper auf die dauerhafte Belastung durch bakterielle Toxine und immunologische Reize. Zunächst kommt es zu einer Auflösung des umgebenden Knochens, häufig begleitet von fettigen Einlagerungen, sogenannten hypodensen Arealen. In einem weiteren Schritt versucht der Körper, das Problem einzukapseln. Dazu lagert er zirkulär vermehrt Mineralien um die Wurzel ein. Es entsteht minderdurchbluteter, hypermineralisierter Knochen, also hyperdense Areale.
Was nach der Extraktion im Knochen zurückbleiben kann
Hypodense Areale (CSR) können histologisch unterschiedlich aussehen:
- Osteomyelitis
- Osteonekrose
- chronische Entzündung
- fettige Degeneration
- Fibrose
Hyperdense Areale sind in der Regel Ausdruck übermässiger Mineralablagerungen.
All diese Veränderungen sind chronische Heilungsdefizite, die der Körper auch nach der Extraktion des zugehörigen Zahnes nicht spontan regeneriert. Da sie meist keine akuten Schmerzen verursachen, bleiben sie oft über viele Jahre unentdeckt, belasten jedoch das Immunsystem dauerhaft. Hypermineralisierte Bereiche und CSR stören zudem die Einheilung von Knochenaufbauten und Implantaten, wenn sie nicht vorher adäquat entfernt werden.
Warum sind CSR gesundheitlich relevant?
In einem CSR kann es zu einer dauerhaften Aktivierung des Immunsystems kommen. Dabei werden entzündliche Botenstoffe, insbesondere RANTES (CCL5), freigesetzt. Zudem besteht innerhalb des CSR häufig eine ungünstige Konstellation der T-Helferzellen des Immunsystems, die als TH2-Shift bezeichnet wird. In dieser Immunsituation ist der Körper nicht in der Lage, eine spontane Wundheilung zu initiieren. Eine spontane Ausheilung ist daher in der Regel nicht möglich.
Der Botenstoff RANTES wird in der wissenschaftlichen Literatur mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter:
- stille systemische Entzündungen,
- Autoimmunerkrankungen,
- neuroinflammatorische Erkrankungen wie MS,
- chronische Gelenkentzündungen wie rheumatoide Arthritis,
- Arteriosklerose und Gefässentzündungen,
- verschiedene Tumorentitäten,
- Neurodermitis.
CSR sind daher möglicherweise nicht nur ein lokales Problem im Kiefer, sondern können auch den gesamten Organismus beeinflussen. Ein direkter Zusammenhang ist jedoch bisher wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
Moderne Diagnostik: 3D-DVT und neue Visualisierungsmethoden
Herkömmliche Röntgenbilder reichen oft nicht aus, um eine CSR sicher zu erkennen. Die digitale Volumentomographie (DVT) liefert dagegen hochauflösende 3D-Datensätze, die eine präzise Beurteilung der Knochenstruktur ermöglichen. Aber auch diese allein lassen selbst erfahrene Chirurgen nicht alles sicher diagnostizieren.
Eine entscheidende Weiterentwicklung ist die neue Visualisierungsmethode der Visiogenics UG, einer Ausgründung der Universität Frankfurt, die von Prof. Shahram Ghanaati geleitet wird. Mithilfe dieser Technologie werden die DVT-Daten so aufbereitet, dass hypodense und hyperdense Areale im Kieferknochen inklusive ihrer genauen Ausdehnung und ihrer Nähe zu wichtigen anatomischen Strukturen wie Nerven oder der Kieferhöhle klar erkennbar werden.
Damit werden Informationen sichtbar, die auf zweidimensionalen Röntgenbildern verborgen bleiben. Die Methode ermöglicht eine deutlich präzisere Diagnostik und ist auch für Implantationen von grosser Bedeutung, da veränderte Knochenareale die Einheilung eines Implantats erheblich beeinträchtigen können.
Wie werden CSR behandelt?
CSR sind behandelbar, wenn sie korrekt diagnostiziert werden. In der modernen integrativen Zahnmedizin orientiert man sich dabei an den Konzepten von Prof. Ghanaati, insbesondere am ARENA-Protokoll™ und der Guided Open Wound Healing (GOWH™).
Die Grundprinzipien der Behandlung sind:
- präzise 3D-Diagnostik mittels DVT und Visualisierung,
- systemische Vorbereitung, zum Beispiel durch Ernährung, Mikronährstoffe und Hydration,
- schonende Entfernung des entzündlich veränderten Gewebes,
- biologische Aktivierung des Knochens,
- Einsatz körpereigener Blutkonzentrate zur Regeneration,
- offene, geführte Wundheilung für eine optimale Knochenneubildung.
Das Ziel besteht darin, den Knochen wieder in einen Zustand zu versetzen, in dem er physiologisch und stabil heilen kann.
Unser Vorgehen in der Alpstein Clinic
In der Alpstein Clinic arbeiten wir nach den modernen biologischen Prinzipien der integrativen Zahnmedizin von Prof. Ghanaati in Form des ARENA-Protokolls™ und der Guided Open Wound Healing (GOWH™). Zudem nutzen wir die Visualisierungsmethode der Visiogenics UG, um eine sichere Diagnostik zu gewährleisten.
So schaffen wir die Grundlage für eine gesunde Regeneration, stabile Implantate und eine Verbesserung der allgemeinen Gesundheit.
Dr. med. dent. Sarah Schomberg
Auf ein persönliches Kennenlernen
Möchten Sie mehr über CSR, moderne Diagnostik und biologische Behandlungskonzepte erfahren? Wir beraten Sie gerne persönlich in der Alpstein Clinic.